Das dritte Schuljahr findet nun an der Mittelschule an der Rockefeller Straße der Inner-Warrior-Kurs statt – inzwischen als ein fester Bestandteil des Angebots für ausgewählte Schüler. Dass das Projekt über mehrere Jahre hinweg bestehen bleibt, ist vor allem der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit der Schule zu verdanken: Lehrkräfte, Schulsozialarbeit und Schulleitung unterstützen den Kurs verlässlich, geben Rückmeldungen und schaffen die Rahmenbedingungen, damit die Jugendlichen wirklich profitieren können. Wir verstehen Inner Warrior dabei nicht als einzelne Sportstunde, sondern als ergänzendes pädagogisches Angebot, das die schulische Arbeit sinnvoll erweitert: körperorientiert, beziehungsbasiert und abgestimmt auf das, was die Schule im Alltag leistet. Die Teilnehmer des Kurses sind Jungs, die im Schulalltag häufig durch Impulsdurchbrüche, Konflikte oder Disziplinverstöße auffallen. Viele kennen Mitteilungen, Verweise und sogar Disziplinarverfahren. Und ja – sie haben es oft schwer, ruhig zu bleiben, Regeln auszuhalten oder Spannungen zu regulieren.
Was alle eint:
- unglaublich viel Energie,
- Kraft und Durchhaltevermögen,
- die Fähigkeit, richtig Gas zu geben,
- und eine erstaunliche Bereitschaft, aufeinander aufzupassen.
Im Training erleben wir immer wieder: Wenn der Rahmen klar ist und die Beziehung stimmt, zeigen die Jungs Seiten, die im Unterricht oft verborgen bleiben. Viele schwitzen, kämpfen, lachen – und reden plötzlich über Dinge, zu denen sie sonst keinen Zugang finden. Das bestätigen auch systemische und körperorientierte Ansätze. Über Bewegung und klare körperliche Erfahrungen entstehen oft Türen, die rein verbal verschlossen bleiben. Konflikte gehören dazu – aber sie werden anders gelöst. Es wäre unehrlich zu behaupten, dass der Kurs konfliktfrei ist. Natürlich kracht es. Und bei unseren Teilnehmern kann es richtig laut krachen. Natürlich wird es emotional. Aber genau dafür ist das Format da. Die Jungs lernen, Konflikte nicht mehr eskalieren zu lassen, sondern zu klären. Zwei Jungs, die sich im Unterricht komplett zerstritten hatten, fanden bei uns über einen kontrollierten Übungskampf wieder Zugang zueinander – Schweiß statt Beleidigungen, Klarheit statt Missverständnisse. Ein anderes Mal haben Schüler aus einer anderen Schule einige Teilnehmer zu einer Schlägerei herausgefordert. Normal hätte das in Gewalt geendet. Stattdessen haben wir gemeinsam mit den anderen Schülern die Situation im Gespräch und ohne körperliche Auseinandersetzung geregelt. Genau dafür steht Inner Warrior: Stärke zeigen, ohne Gewalt anzuwenden.
Neben Boxtechniken, Selbstkontrolle und Körperarbeit sprechen wir auch über Themen wie:
- Welche Art von Mann will ich einmal sein?
- Welche Werte sollen mein Verhalten bestimmen
- Wie gehe ich mit Wut, Kränkung und Stolz um
- Was bedeutet Respekt in einer Welt, in der alle stark wirken wollen?
Diese Gespräche entstehen oft nicht im Stuhlkreis, sondern im Anschluss an die körperlichen Übungen – dann, wenn die Jungs spüren, was in ihnen passiert. Diese Verbindung aus Körpererfahrung und Reflexion ist zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Das Projekt funktioniert nur, weil die Schule nicht nur „beauftragt“, sondern wirklich mitgestaltet:
- Lehrkräfte geben uns ehrliches Feedback.
- Die Schulsozialarbeit bleibt eng in Kontakt mit uns.
- Die Schulleitung zeigt Vertrauen – auch in schwierigen Phasen.
- Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.
Diese Art der Kooperation ist im schulischen Kontext selten – und sie macht einen enormen Unterschied. Sie ermöglicht uns, die Jugendlichen systemisch einzubetten, statt nur „symptomatisch“ zu arbeiten. Inner Warrior an der Rockefeller Straße ist für uns mehr als ein Kurs. Es ist eine Beziehungsgeschichte, ein Entwicklungsprozess und ein Zeichen, dass Veränderung möglich ist, wenn Schule und außerschulische Partner gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Jungs zeigen es uns jeden Freitag aufs Neue. Aggression ist keine Sackgasse – sie kann auch der Anfang von Stärke, Klarheit und Selbstkontrolle sein.
Wir freuen uns auf weitere schweißtreibenden Freitage.
Rene Demin und Tobias Schopf von out of the BOXCOACHING
Beitrag erstellt von Herrn Demin


Comments are closed